Dr. Katja Bett // Expertin für E-Learning und Personalentwicklung

DR. KATJA BETT // EXPERTIN FÜR E-LEARNING UND PERSONALENTWICKLUNG

Webinare oder was? Blick in meinen Beratungs-/Traineralltag (Teil 1)

Seit Anfang dieses Jahres boomt der “Webinar-Markt”. Kaum zu glauben, dass ich bis Juli 2013 bereits schon über 20 virtuelle Ausbildungskurse für zukünftige Webinar-Trainer und -Moderatoren durchgeführt habe. Hinzu kommen noch einige weitere Kurse für virtuelle Meetings, speziell für Führungskräfte.

Was mich immer wieder erstaunt: Fast alle sprechen immer von Webinaren. Dieser Begriff ist inzwischen so inflationär, dass ich für meine Ausbildungskurse jetzt konsequent von drei Formaten spreche:

  1. Live-Online-Präsentation
  2. Live-Online-Seminar oder -Training
  3. Live-Online-Meeting
Dass Meetings anders vorbereitet, moderiert und aufgebaut sein müssen, wie Live-Online-Seminare ist den meisten klar. Aber dass es einen eklatanten Unterschied gibt, ob ich eher präsentiere und beispielsweise ein Produkt vorstellen möchte – oder – ob ich mit meinen Teilnehmenden interaktiv lerne und arbeite: das ist den meisten erstaunlicherweise nicht bewusst. Ein gutes Live-Online-Training lebt eben von einer hohen Interaktivitätsrate und einer hohen didaktischen Qualität und dies ist nur mit kleinen Gruppen möglich. Didaktisch gute Live-Online-Seminare mit mehr als 10 Personen gibt es eigentlich nicht.
    Wenn ich jetzt so in meinen Teilnehmergruppe blicke, dann stelle noch ein weiteres Phänomene fest:
  • Es gibt bereits sehr gut ausgebildete Trainer, die ihre Trainingsangebote durch Webinare ergänzen möchten. Und hier werde ich immer wieder damit konfrontiert, dass die Erwartungen an Webinare viel zu hoch sind. In einem virtuellen Klassenraum gibt es eben drei wesentliche Unterschiede, die nicht wegzudiskutieren sind:

(1) Der Raum ist nicht wirklich geteilt, was dazu führt, dass die so genannte soziale Präsenz eingeschränkt ist (also das Ausmaß inwieweit ich den anderen als Mensch wahrnehme) . (2) Mimik und Gestik aber auch Raumatmosphäre fehlen, das Gefühl für die Gruppe stellt sich wesentlich langsamer ein und muss explizit unterstützt werden.  (3) Es ist kein “geschlossener” Lernraum möglich, die Ablenkungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz (oder auch zu Hause) sind immens. Wer war schon nicht in Versuchung parallel zu einem Webinar kurz E-Mails zu lesen.

  • Dann gibt es Personen, die üblicherweise nicht in Lehr-Lernkontexten oder Trainingssituation arbeiten und hier erlebe ich genau das Gegenteil: Diese Personen erwarten zu wenig von Webinaren und denken: Nehme ich doch einfach meine Folienpräsentation wie sonst auch und übertrage diese einfach in den virtuellen Raum. Hier muss ich dann meist Überzeugungsarbeit leisten, dass es sich lohnt Live-Online-Präsentationen auch mit vielen Personen interaktiv zu gestalten.
  • Und dann gibt es noch Personen, die unter Webinaren eigentlich Meetings verstehen und dann ganz erstaunt sind, dass damit auch gelernt werden kann.
Was ist eure Erfahrung?
Und wer sich für eine Ausbildung interessiert, gemeinsam mit Konrad Fassnacht gibt es von uns offene Kurse. Hier zu finden.

 

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